JARDINS PAVILLON – KLASSIZISTISCHE HARMONIE UND DISKRETE LICHTDRAMATURGIE

Am 31. Oktober 2023 wurde der 1763 errichtete und nach dem Architekten Nicolas-Henri Jardin benannte Jardins Pavillon, malerisch hinter dem Christian-VII.-Palais gelegen, nach einer umfassenden Restaurierung feierlich wiedereröffnet. Der Pavillon befindet sich im äußersten Winkel der schlichten und eleganten Gartenanlage von Amalienborg. Gerade diese zurückhaltende Lage verleiht dem Besuch eine beinahe meditative Ruhe. Hier werden die Schichten der Geschichte und die poetische Präsenz der Architektur spürbar.

 

Ursprünglich wurde der Pavillon als Lusthaus und Teesalon errichtet – mit einem zentralen Aufenthaltsraum und Volieren auf beiden Seiten. Im klassizistischen Stil gestaltet, war er in drei Bereiche gegliedert: zwei innenliegende Vogelvolieren und einen zentralen Raum, von dem aus man die Vögel in ihrer Umgebung betrachten konnte. In den Nischen der Rückwand saßen die Vögel auf Sitzstangen, während kleine Fontänen in den Volieren eine visuelle und sinnliche Erfahrung schufen. Im Zuge der Restaurierung wurden diese Fontänen wiederentdeckt, als auf einer Seite ein neuerer Betonboden entfernt wurde. Sie sind inzwischen rekonstruiert – allerdings ohne Wasserzufuhr.

Die Restaurierung, durchgeführt unter der Leitung von Rønnow Arkitekter, basiert auf den ursprünglichen Zeichnungen von Nicolas-Henri Jardin und auf Archivmaterial, ergänzt durch gründliche farbarchäologische Untersuchungen.

 

Die ursprüngliche rosafarbene Wandfassung wurde wiederhergestellt, der Boden als Ziegelbelag rekonstruiert, und Türen sowie Fensterrahmen wurden mit einer Maserierungsfassung versehen, deren Oberfläche sich harmonisch in die übrige Materialität des Pavillons einfügt.

Der Bau ist als kleiner Rundtempel gestaltet, ausgeführt in Nexø-Sandstein und von einer Kupferkuppel bekrönt. Nach dem Vorbild eines alten Kupferstichs des Pavillons wurde die Kuppel nun mit einem Kranz aus Lorbeerblättern abgeschlossen – einem Motiv, das für Nicolas-Henri Jardin charakteristisch ist.

Nicolas-Henri Jardin wurde von Friedrich V. nach Dänemark eingeladen.

 

An der Kunstakademie wurde Jardin der erste Professor für Architektur des Landes, später übernahm er die Leitung der dänischen Bauverwaltung. Er gehörte zu den Ersten, die den Klassizismus in Dänemark einführten – eine Formensprache, die in der Architektur Kopenhagens deutliche Spuren hinterlassen hat.

Als Teil der Restaurierung wurde in Zusammenarbeit mit Okholm Lighting eine neue Beleuchtungslösung entwickelt, die den klassizistischen Charakter des Pavillons unterstützt.

 

Die Beleuchtung ist diskret und präzise – inspiriert von klassizistischen Leuchtenformen mit klarem Glas und sorgfältig abgestimmten Proportionen.

 

Obwohl das Gebäude in seiner Entstehungszeit selbstverständlich nicht elektrifiziert war, wirkt die heutige Beleuchtung wie eine natürliche und respektvolle Ergänzung der Architektur.

 

Die Pendelleuchten sind in drei Größen ausgeführt, in Stahl gefertigt und in Grafital 351 lackiert. Die größte Leuchte befindet sich in der Rotunde, die mittlere in den Volieren und im Teesalon, die kleinste im Nymphäum. Dadurch entsteht ein feiner Rhythmus und eine ausgewogene Lichtverteilung im Raum.

Jardins Pavillon steht wieder im Geist seiner ursprünglichen Konzeption da – behutsam wiederhergestellt, mit Respekt vor der Geschichte und in einer Qualität, die über viele Jahre Bestand haben kann.

 

Die Restaurierung wurde durch die Unterstützung des A.P. Møller og Hustru Chastine Mc-Kinney Møllers Fond til almene Formaal ermöglicht.

Bauherrschaft: Slots- og Kulturstyrelsen
Beratung: Königlicher Bauinspektor Rønnow Arkitekter
Ingenieurberatung: Eduard Troelsgård
Hauptunternehmer: Einar Kornerup A/S
Fassadenreinigung: OMØ A/S
Zimmerer- und Tischlerarbeiten: Kjell Pedersen Entreprise
Klempner- und Sanitärarbeiten: Jens Volf Blikkenslager & VVS
Malerarbeiten: S.V. Fischer
Steinmetzarbeiten: Gladsaxe Ny Stenhuggeri
Stuckarbeiten: Henrik Nygaard Svensson
Beleuchtung: Okholm Lighting
Beratung und archäologische Untersuchungen: Københavns Museum und Nationalmuseet.

Quellen:

 

Website von Rønnow Arkitekter: Jardins Pavillon
Website des Königshauses: Wiedereröffnung des Jardins Pavillon in der Gartenanlage hinter dem Christian-VII.-Palais
Danmarks Nationalleksikon: Artikel über Nicolas-Henri Jardin von Ulla Kjær, Mag.art. und Dr.phil. in Kunstgeschichte
Arkitekten 2/2024

Foto: Okholm Lighting

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